Prien /Ternopil (hö) – Eine besondere Hilfsaktion unternahmen fünf Chiemgauer Männer mit der Übergabe eines Behinderten-Transport-Fahrzeuges an die Erzdiözese Ternopil im Westen der Ukraine. Mit dieser besteht seit inzwischen 30 Jahren eine freundschaftliche Beziehung durch den Chiemgauer Helferkreis, dessen Hilfsaktionen seit dem Kriegsbeginn vor vier Jahren intensiviert wurden. Nachdem zuletzt der 28. mit 16 Tonnen Hilfsgütern beladende Lastkraftwagen von Prien aus auf den Weg geschickt wurde, machten sich ein Rollstuhl-Bus des BRK-Kreisverbandes Rosenheim und ein Leih-Sprinter ebenfalls auf den Weg.
Das Fahrzeug für Behinderten-Transporte mit einem Alter von 20 Jahren und in einem sehr guten Zustand wurde zu einem günstigen Preis vom BRK Rosenheim dem Helferkreis überlassen. Dieses sowie der Leihsprinter wurden voll beladen unter anderem mit Lebensmitteln, Erwachsenen-Windeln und medizinischen Artikeln. Johannes Dreikorn vom Helferkreis leitete den Hilfstransport und berichtete vom ersten Tag der Anreise: „Wir starteten in Prien um 3.15 Uhr in der Früh. Der Plan war mit je drei Fahrern pro Fahrzeug regelmäßig wechseln zu können, um möglichst ohne Pausen durch fahren zu können. Leider fiel eine Fahrerin krankheitsbedingt aus und so machten sich Joseph Stephan, Thomas Thrul, Carsten Knapp, Henning Bützow und ich auf den 1.300 Kilometer langen Weg. Bis zur Ankunft um 16 Uhr an der polnisch-ukrainischen Grenze in Korczowa lief alles nach Plan. Dann begannen die Schwierigkeiten mit der EU-Ausreise auf polnischer Seite. Die Grenzerin behauptete, sie hätten keine Waage für Fahrzeuge unter 7,5 Tonnen und wir müssen südlich nach Medyka fahren. Das waren 45 Minuten Verzögerung und es hieß, wieder anstehen“. Da es dann schon Abend war, hatte die dortige Grenzerin Dienstschluss und sie ließ nach langer Diskussion die beiden Fahrzeuge nicht ausreisen.
„Wir haben protestiert und mit telefonischen Dolmetschern erfahren, dass sie auch hier keine Waage haben und wir müssen noch südlicher nach Krościenko nahe den Karpaten. Inzwischen wurde es Nacht, die Straßen waren schlechter ausgebaut und wir erreichten kurz vor 22 Uhr die Grenze, an der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Dort wurden wir dann gewogen, alle Pass- und Zollformalitäten konnten erledigt werden und wir durften um Mitternacht die Staats -und Zeit-Grenze (+1h) zur Ukraine passieren. Auf Grund der schlechten Straßen und zur Drohnenziel-Vermeidung beschlossen wir die nächste (sehr moderne) Tankstelle anzufahren und dort nach einem Feierabend-Bier in den Fahrzeugen zu schlafen“. Gut geruht und mit einem heißen Kaffee ging es dann am nächsten Morgen nach Ternopil zur dortigen Kathedrale. Dort wurden das Helferkreis-Quintett um 12 Uhr vom Gouverneur des Oblast Ternopil Taras Pastuch (selbst ein Kriegs-Verwundeter), von Bischof Firman und dem Metropoliten Theodor (Erzbischof) von Ternopil sowie von Vertretern der Veteranen bereits erwartet. Fast rechtzeitig konnte dann das Behinderten-Fahrzeug mit Vertretern der Presse geweiht werden. Nach dem Besuch eines Gottesdienstes brachte Ivan Vynnyk, der Assistent des Bischofs, die beiden Fahrzeuge nach Sarwanyzja. In einem Haus für Geflüchtete wurden die mitgebrachten Hilfsgüter ausgeladen, alsdann ging es weiter zum Priesterseminar und zu einem gemeinsamen Essen. „Kurz frisch gemacht in den vorbereiteten Zimmern ging es mit Bischof Firmann auf eine Besichtigung der landwirtschaftlichen Betriebe, die mit Unterstützung des Helferkreises die Eigenversorgung und die finanzielle Existenz der Diözese, des Wallfahrtsortes und der vielen sozialen Projekte sichert. Am nächsten Tag starteten wir um 6:45 Uhr mit einem Gottesdienst, dann gab es noch ein Frühstück und um 9 Uhr – nach der nationalen Schweigeminute – starteten wir die Heimreise über Lviv (Lemberg) und Korczowa“. Die Ausreise nach Polen war zwar besser als die Einreise in die Ukraine bei der Hinfahrt, aber ohne Geduld wäre es auch hier nicht gegangen. Letztlich kamen die fünf Helferkreis-Mitglieder mit einem Leih-Sprinter um 5.30 Uhr des nächsten Tages gut und mit vielen Eindrücken wieder nach Hause. Pfarrer Ivan Vynnyk versprach bei der Abfahrt, am Dienstag, 12. Mai zur Versammlung des Chiemgauer Helferkreises um 19 Uhr in das Gasthaus „Kampenwand“ nach Aschau zu kommen, um aktuell über die Situation in Ternopil zu berichten (Interessierte sind willkommen).
Gespräch nach der Rückkehr:
Der Dank, der den fünf Männern galt, gaben sie gleich wieder weiter, sie resümierten daheim angekommen: „Die Hilfsaktion wäre nicht möglich gewesen ohne die vielen Spender für das Auto, den Sprit und das notwendig gebrauchte Material. Die Firma Matlak-Werbetechnik übernahm das Bekleben des gespendeten Autos – auch dafür unseren herzlichen Dank!“. Johannes Dreikorn erklärte unmittelbar nach der Rückkehr bei einer morgendlichen Weißwurst-Einladung in Prien seine weiteren Eindrücke wie folgt: „Von den wenige Tage zuvor schlimmen Drohnenangriffen auf Ternopil konnten wir nicht viel sehen, es war ruhig und die Stimmung war von allgegenwärtiger und gegenseitiger Hilfe geprägt. Gleichwohl hatten wir bei der Fahrt in der Ukraine ein mulmiges Gefühl. Beim `minute of silence“ blieben alle Autos, Fahrräder und Fußgänger zum Gedenken an die Verstorbenen stehen und schwiegen. Dass wir persönlich gekommen sind und nicht nur Geld oder Material schickten fand besondere Wertschätzung. Die Verantwortlichen wissen ganz genau, wer was braucht und wer was von unseren Lieferungen bekommt. Beeindruckend war auch, dass mittags die Kathedrale im Kraft- und Wallfahrtsort Sarwanyzja voller Leute war, Beten und Kirche haben einen hohen Stellenwert“.










